Warum ist es so schwer, differenziert an #MeToo heranzugehen?

Kennst Du das, wenn man eine Aussage mit “Ich finde das ja auch nicht gut, aber…” beginnt? Es hat von Anfang an einen faden Beigeschmack.

Doch Im Grunde würde ich diesen Post am liebsten damit beginnen. Diesen Post, der sich vielleicht um die seit Jahrhunderten praktizierte sexuelle Diskriminierung drehen wird.

Vielleicht will ich aber auch nur ein kleines Spiegelbild hochhalten. Du wirst ja lesen, worauf es hinausläuft.

Doch fangen wir mal von vorne an, gesetzt dem Fall, dass Du die letzten Monate verschlafen hast.

Der Hashtag #MeToo, das Schlagwort #IchAuch wurde im Jahre 2017 von der Schauspielerin Alyssa Milano gewählt um allen Frauen ein Zeichen zu setzen, die je unter sexueller Gewalt bzw. Diskrimminierung gelitten haben. Im Zentrum steht Harvey Weinstein, ein US-amerikanischer Filmproduzent, der allem Anschein nach seine Macht dafür nutzte, Frauen gefügig zu machen, indem er Ihnen nur Rollen gewährte, wenn sie mit ihm schliefen oder andere sexuelle Dinge machten. Es wurden immer mehr Detail bekannt, sodass man davon Ausgehen muss, dass es ein regelrechtes System gab, Frauen zu misbrauchen oder auszubooten, wenn sie nicht spurten.

Im Zuge dieser #MeToo-Debatte haben sich immer Mehr Frauen (und auch Männer) nicht nur aus der Filmbranche sondern auch aus dem Musikbuisiness, dem Sport, der Politik usw. getraut über Mishandlungen, Misbräuche und allgemeine sexuelle Gewalt zu berichten.

Das finde ich gut!

Denn nur, weil man(n) es kann, sollte man(n) nicht jedem Trieb nachgeben um sich besser zu fühlen. Denn um nicht anderes geht es dabei.

Dieses Gefühl sich über jemanden zu erheben, besser zu sein, andere zu Erniedrigen. Das Gefühl von Macht – Ja, das kann sicher einen sehr berauschen und manch einer will davon nie ablassen.

Also nehmen sie sich, was sie wollen. Schüchtern unsichere Personen ein und/oder bezahlen zur Not mit Schweigegeld, welches sicher mehr als nur selten angenommen wurde.

So lief es seit Anbeginn der Neuzeit. Und schwächere Menschen (zumeist Frauen) haben sich gefügt und ihre Rolle gespielt.

“Es hat ja sowieso keinen Sinn, war dich schon immer so… Wer sollte schon auf mich hören…? Ich allein kann ja eh nichts bewirken”.

Das waren sicherlich die “Ausreden” die die meisten Opfer benutzten. Denn sie hatten Angst vor Repressalien. Wohl in den seltensten Fällen in Form von Gewalt. Viel mehr ging es dann um Engagements, die andere dann bekamen. Schon verständlich. Wir Menschen sind halt auch nur Tiere und halten unseren Platz in der Rangordnung ein, wenn wir ihn dann einmal gefunden haben.

Wahrscheinlich wäre das auch noch ewig so weitergangen.

Wahrscheinlich… wenn es da nicht die modernen Medien geben würde. Twitter, Facebook, Snapchat und Co. halfen ungemein beim Bekanntwerden der eingangs erwähnten #MeToo-Debatte.

Und wie ich es schon schrieb, ich finde es gut, dass da was ans Rollen gekommen ist. Denn Gleichberechtigung und Respekt sind wahre Schätze der modernen Zivilisation. Niemand hat das Recht einen anderen zu Erniedrigen, anderweitig seelisch oder gar körperlich zu verletzen (es sei denn, diese Person bittet darum, doch dazu später). Sei es nun durch Anfummeln, Betatschen, unter Druck setzen, Nötigen, Schlagen etc. – Die Würde des Menschen ist unantastbar – so steht es im Grundgesetz. Grundlegend. Wahr und wichtig – nicht nur weil es ein Gesetz ist.

Und so sehr ich auch begrüße, dass nun endlich diese Veränderung im Bewustsein der Bevölkerung stattfindet, diese Sensibilisierung, die Menschen den Mut gibt, sich trauen “NEIN” zu sagen… So sehr tut es mir zuweilen weh, dass nun alles (Un-)Mögliche als sexualisierte Gewalt gilt.

Es gleicht mehr und mehr einer Hexenjagd (HexeRjagd). Und wir (Menschen) müssen da wirklich eine Balance finden. Sonst wird aus dem einstigen Patriarchat ein Matriarchat. Was ebensowenig wünschenswert ist.

Denn manch einer hat da wohl vergessen, dass auch Frauen dieses Spiel sehr gut spielen können. Der Spruch “Mit den Waffen einer Frau…” kommt ja davon, dass Frauen ihre (sexuellen) Reize einsetzen, um an ihr Ziel zu kommen.

Und bevor es jetzt den großen Aufschrei gibt: NEIN, das ist keine Ausrede für Typen wie Weinstein und Co. Und das lasse ich auch nicht so gelten. Es sind einfach nur Erfahrungen, die ich machte. Frauen können ihre Reize sehr gekonnt einsetzen, wenn sie etwas wollen.

Wenn man es genau betrachtet ist dies auch “nur” eine Form von sexueller Gewalt. Frauen haben eine Macht, wenn sie Ihre Reize ausspielen. Ein tiefer Ausschnitt da, ein gewisser Blick hier, eine betörende Geste dort – Nur die meisten Männer sind da zu schwach oder zu instinktgetrieben, um dies auch als sexuelle Macht/Gewaltzu erkennen.

UND DOCH… das Wichtigste vergesse ich wie viele andere auch zumeist. Bei der ganzen Debatte rund um dieses Thema. Denn diese ganzen Berühmtheiten sind nur die Spitze des Eisberges. In wie vielen Haushalten, Familien oder losen Beziehungen wird misbraucht, mishandelt oder genötigt?

In viel zu vielen! Schön, diese Stars sind damit an die Öffentlichkeit gegangen und werden bemitleidet und frenetisch gefeiert für ihren Mut. Und das werden sie auch von vielen, die diese Gewalt bei sich daheim erleben. Und diejenigen, die das ganze als Lappalie abtun haben nichts dazugelernt und machen weiter wie bisher.

Da muss sich was ändern! Allein für das Jahr 2016 wurden in Deutschland weit über 100.000 Delikte für häusliche Gewalt registriert. 148 davon endeten tödlich! Mir verschlägt es bei so etwas den Atem zumal die Dunkelziffer deutlich höher ist, weil sich viele Opfer nicht trauen und die bekannte Angst vor Repressalien haben.

Man sollte meinen, wir Menschen sollten inzwischen den respektvollen, souveränen Umgang mit unsereins gelernt haben. Doch die Wahrheit ist, dass nach wie vor ein Tier hinter unserer Maske sitzt. Getrieben von Instinkten, die wir seit Langem meinen abgeschüttelt zu haben. Und für alle die den Unterschied nicht zu erkennen vermögen: Ja, es gibt Menschen, die sich erniedrigen und quälen lassen, weil sie es mögen. Und ebenso gibt es Menschen, die genießen solchen Menschen gegenüber diese Macht auch auszuspielen. Doch es ist ein Spiel, ein Wechselspiel in gegenseitigem Einverständnis. Sexuelle Gewalt ist immer nur fordernd und immer nur einseitig. Immer nur negativ.

Und meist sind die Personen, die diese ausüben auch zu blind, das Unrecht zu erkennen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich durch #MeToo etwas ändert.

Author: Bernd R. Franke

Bernie ist ein spätes Winterkind aus dem Jahre 1980. Verheiratet ist er glücklich mit der Mutter seiner fünf Kinder. Hobbies: Nachdenken, Schreiben und Sport. Sein Lieblingsgenres sind SciFi, Fantasy und Erotik.

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