Jetzt sind es eine Hand voll.. ;) [Geburtsbericht]

Manchmal frage ich mich, ob wir einfach nur Pech oder den Papst in der Tasche haben.

Zunehmend denke ich, dass es beides ist, quasi “Close to the Edge” – Nahe dem Abgrund.

Wieso ich das so schreibe, weil es einfach so ist.

Wir hatten uns ja für ein fünftes Kind entschieden, obwohl ja die letzte Geburt so nervenaufreibend war – Diesmal jedoch wollten wir kein Risiko eingehen und haben uns für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden – Sicher ist sicher, dachten wir jedenfalls. Außerdem konnten wir so direkt eine Sterilisation bei Yvi durchführen lassen.

Es war dann auch am 06.07.2018 nach einer unkomplizierten Schwangerschaft soweit. Die Kids waren versorgt und wir waren pünktlich im Kreißsaal, der Termin war für 10 UHr angesetzt.

 

Nach der Ankunft, haben wir es uns im Kreißsaal gemütlich gemacht und durften uns neu einkleiden, damit dann alles auch steril ist.

Sahen wir nicht fesch aus?

Nachdem dann auch die Checkliste der Schwestern abgearbeitet war, dauerte es dann noch eine Weile, bis der OP-Saal vorbereitet war.

Um ca. halb elf wurde dann Yvi in den Kreißsaal geholt. Ich sollte noch kurz warten, bis die PDA für die Geburt appliziert wurde.

Ich war schon ein wenig nervös und wurde,

wie man auf dem Bild sehen kann leicht nervös.

Ich wollte schon nachfragen, was so lange dauert, da wurde ich um elf uhr abgeholt. Einmal Über den Flur und durch das Untersuchungszimmer für die Neugeborenen direkt in den OP-Saal.

Ich war echt überrascht, wie viele Menschen in dem Raum waren. Bestimmt zehn Personen für die Geburt!

Yvi lag mit den Füßen Richtung Tür zum Ausgang, die Schwester führte mich um den Operationstisch zum Kopfende. Nachdem mir ein Hocker gereicht wurde, saß ich dann neben meiner Frau. Yvi fühlte sich soweit in Ordnung, doch sei ihr schon hin und wieder schwindelig geworden.

Ich sah wie blass sie war und in meiner typischen Art schaute ich mich um und versuchte die Situation zu begreifen.Ihr Blutdruck war schon recht niedrig, 80 zu 40, wenn ich mich recht erinnere. Dann sah ich, wie der Blutauffangbehälter (ich würde sagen, der fasste einen Liter) nahezu voll war.

Von dem Kaiserschnitt selbst konnte ich nichts sehen, da die Sicht durch einen Schirm aus Laken unterbunden wurde, das war wahrscheinlich auch besser so.

Immer wieder sackte der Blutdruck bei Yvi ab, die Überwachungsgeräte piepsten warnend, während ich versuchte meiner Frau Vorfreude auf unser Kind zu zeigen und ihr immer wieder liebevoll über das Gesicht streichelte und ihre Hand drückte.

Während die Geburt verlief wurde Sie dann wirklich heftig hin und her geschüttelt – Ich kam mir vor wie beim Metzger – Dazu kam dann auch, dass der erste Auffangbehälter für den Lebenssaft nun schon überlief und ein Arzt oder Pfleger dann schnell versuchte auf den zweiten zu wechseln. Er musste nachbessern, weil zunächst kein Vakuum erzeugt wurde, mit dem das weitere Blut aufgefangen wurde.

In mir stieg wieder mal die Panik, zumal Yvis Blutdruck noch weiter sank 60 zu 30, 55 zu 25, Immer öfter bekam Yvi die Medikamente zur Stabilisierung in den Zugang der Hand gespritzt.

Ich durfte meine geliebte Frau jedoch nicht spüren lassen, dass ich wirklich wirlich Angst bekam, was mir  immer schwerer fiel, da ich auch (mal wieder) merkte, wie die Ärzte und Schwestern hektisch wurden. Ganz besonders haben mich die Worte und das Gesicht der Narkoseärztin, die Yvis Werte überwachte besorgt gemacht.

Dann hörten wir, wie unser Kind geboren wurde, einen ersten Schrei. Ich wusste, dass es nun erst untersucht werden musste. Und nachdem der Kreislauf erneut wieder und wieder stabilisiert wurde – nach ewigen Minuten, die ich die Hand meiner Liebster hielt – ist uns unser Sohn gebracht worden.

Ich war ein wenig überfordert. Zum einen deshalb, weil mir die ganze Situation mit Yvi und der Angst sie zu verlieren so surreal vorkam, zum anderen, weil ich irgendwie diesen Kleinen zwar meiner Frau vor Stolz zeigen wollte, doch wusste, dass die Ärzte ihre Arbeit machen sollen.

Ehrlich, ich wollte den Kleinen Yvi zeigen, Sie ihren Kleinen streicheln lassen. Doch wie gesagt, ich war überfordert und wollte dann mit dem Kleinen nur raus aus dem Operationssaal, rein in den Kreißsaal und dann hoffen, dass alles bei Yvi korrekt verläuft.

Als die Schwester dann meinte (und vor allem in der Tonlage), ich solle Yvi ihr Kind wenigstens einmal sehen lassen, wurde mir echt anders, es gab der ganzen Situation eine heftige Dramatik, mir wurde auch leicht schwindelig.

Unbeholfen zeigte ich meiner Frau dann unser Kind, sie streichelte es kurz und ich Ihr sorgenvoll  das Gesicht. Anschließend ging ich mit dem Kleinen in den Kreißsaal.

Ich saß erst mal nur auf dem Stuhl, und betrachtete ihn, ich konnte mich noch nicht freuen, hab mir doch Sorgen gemacht. Nach einer halben Stunde habe ich dann doch das erste Foto geschossen und an die Familie geschickt.

Von Yvi hatte ich noch nichts gehört, doch kurz nachdem ich die Fotos gemacht hatte, kamen dann auch die Schwestern rein. Sie sagten, dass es wohl kompliziert war, aber dass es meiner Frau soweit gut gehe und nun nur noch zugenäht werden müsse. Mir fiel der Ayers Rock vom Herzen!

Anschließend übergab ich unseren Kleinen an die Hebammen, die Ihn wuschen, vermaßen und dann anzogen. Danach habe ich ihn gefüttert.

Es dauerte dann noch eine ganze Weile, bis Yvi in den Kreißsaal gebracht wurde. Ich war überglücklich, dass die wohlauf war. Farbe hatte sie noch immer nicht im Gesicht, konnte allerdings wieder lächeln.

Jetzt einen Tag später weiß ich, was los war. Unser Kleiner hat sich sehr tief in der Gebärmutter eingenistet gehabt. Als er dann im Bauch heranwuchs hat er dann auch einiges in seinem Habitat zerstört. Daher war die Geburt auch so kompliziert und der Blutverlust so hoch. Zugleich hat es dazu geführt, dass Yvi auch ohne die Sterilisation wohl nie wieder ein Kind hätte bekommen können. Um dann den Blutverlust zu stoppen, wurde Yvi auch ein “Luftballon” eingenäht, der am Tag darauf entfernt wurde.

Aber Mutter und Kind und auch ich sind wohlauf. Aber ich bin froh, dass ich keine Angst mehr haben muss, dass eine Geburt kompliziert verläuft.

Hier dann noch die wichtigen Daten:

  • Gewicht: 4150g
  • Länge: 54cm
  • Name: Liam

Nun kann der Trubel erst richtig losgehen, denn die Geschwister und auch der Rest der Familie freuen sich sehr auf Dich, kleiner Mann.

 

Author: Bernd R. Franke

Bernie ist ein spätes Winterkind aus dem Jahre 1980. Verheiratet ist er glücklich mit der Mutter seiner fünf Kinder. Hobbies: Nachdenken, Schreiben und Sport. Sein Lieblingsgenres sind SciFi, Fantasy und Erotik.

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Das Leben. Punkt.
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